Kunst im Schaufenster

Künstler in Taunusstein

Wiesbadener Kurier 11.09.2010

Spaziergang von Bild zu Bild

Von Mathias Gubo

KUNST IM SCHAUFENSTER Ein Stück städtische Kultur in Taunusstein kommt sehr gut an

Taunusstein liebt „Kunst im Schaufenster“. Zwei Wochen nach Start der Aktion ziehen viele der rund 30 beteiligten Geschäftsleute und 26 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler eine überaus positive Zwischenbilanz. „Die Kunden machen am Sonntag richtige Spaziergänge von Schaufenster zu Schaufenster“, hat Gabriele Schulz von der Sonnen-Apotheke in Wehen beobachtet. Bei ihr stellt Doris Tofall ihre Bilder aus. Auch sie freut sich über die große Resonanz und verweist darauf, dass zum Start der Aktion die Vernissage im Museum im Wehener Schloss sehr gut besucht war. „Das Museum platzte aus allen Nähten und kam mal wieder zu Ehren“.

Auch in Vitrinen

Gleich elf Bilder und zwei Miniaturen stellt Bärbel G. Mühlschlegel bei Juwelier Bodo Hoeltke in Wehen aus. Auf ausdrücklichen Wunsch ihres Gastgebers sind Mühlschlegels Arbeiten nicht nur in den Schaufenstern zu sehen, sondern auch in den Schmuckvitrinen im Geschäft. „Hinter Glas und mit Licht hat das eine ganz andere Wirkung“, ist Hoeltke mit dem Ergebnis sichtlich zufrieden. Seine Kunden sprechen ihn immer wieder auf die ausgestellten Bilder an. „Oft kommen Leute, die gar nichts kaufen wollen, einfach herein und schauen sich die Bilder an“, so Hoeltkes Beobachtung. „Die Leute sind begeistert, das finde ich schön“.

Eigentlich ist Bärbel G. Mühlschlegel für ihre Riesenformate bekannt. Doch in ihrem Atelier in Hambach fand sie dann doch noch genügend kleinere Formate, um an „Kunst im Schaufenster“ teilzunehmen. Rita Adam, die die Aktion gemeinsam mit Beate Thomaß organisiert hat, hatte sie angesprochen. „Es ist schön, wenn sich in Taunusstein etwas tut“, sagt Mühlschlegel. „Kunst im Schaufenster“ sei ein sichtbares Stück städtischer Kultur. Dem können Bodo Hoeltke und seine Frau Gudrun nur zustimmen. Kunst und Schmuck hätten viel gemeinsam, seien beides handgefertigt. „Und wir haben uns die Rosinen herausgesucht“.

Das können die anderen Taunussteiner Geschäftsleute, die Taunussteiner Künstlern ihre Schaufenster, aber auch Ladenräume zur Verfügung gestellt haben, ebenfalls behaupten. Friseurmeisterin Silvia Meudt in Bleidenstadt findet die Aktion „supergut“, die Reaktionen der Kundinnen und Kunden seien überaus zustimmend. Zumal Jürgen Behrens aus Wingsbach, der in ihrem Friseursalon Skulpturen und Reliefs ausstellt, auch eine künstlerisch bearbeitete Sitzbank nach Bleidenstadt gebracht hat. Die unterstreiche nun noch den Salon-Charakter, ist Meudt angetan.

Die Vorbereitung von „Kunst im Schaufenster“ sei sehr viel Arbeit gewesen, stellt Organisatorin Beate Thomaß fest. Man habe die Taunussteiner Geschäfte „abklappern“ und manchmal auch „ein bisschen Überredungskunst“ anwenden müssen. Doch man wolle „in Taunusstein etwas bewegen“. Da sei es schon ein großer Erfolg gewesen, dass die Vernissage zum Start so gut besucht war. Die Wehener Künstlerin Doris Tofall sieht noch einen wichtigen Aspekt der Aktion. Die teilnehmenden Künstler fühlten sich zusammengehörig, „so etwas verbindet“.

„Schöner Dialog“

Optiker Stefan Hies hat seine beiden Geschäfte in Hahn und in Wehen zur Verfügung gestellt. In Hahn stellt Erika Kaiser Acrylarbeiten aus, in Wehen Helga Kerstan Papelitos und Papierobjekte. Durch das Interesse der Taunussteiner an der Kunst komme man ins Gespräch, entstehe ein „schöner Dialog“, die Schwellenangst sinke, so Hies. „Kunst im Schaufenster“ sei einfach „richtig gut“.

Kunst und Künstlerin im Schaufenster: Bärbel G. Mühlschlegel stellt bei Juwelier Bodo Hoeltke in Wehen aus. 	Foto: RMB/Kühner

Kunst und Künstlerin im Schaufenster: Bärbel G. Mühlschlegel stellt bei Juwelier Bodo Hoeltke in Wehen aus. Foto: RMB/Kühner

 

 

 

Presse: Wiesbadner Kurier 30.August 2010

Speckstein beim Optiker

30.08.2010 - TAUNUSSTEIN

Von Hendrik Jung

VERNISSAGE Zur „Kunst im Schaufenster“ gehört auch eine Ausstellung im Wehener Schloss

Bis Ende September gehen Kunst und Konsum in Taunusstein eine fruchtbare Verbindung ein. Bei der zweiten Ausgabe von „Kunst im Schaufenster“ stellen heimische Künstler ihre Werke wieder in Geschäften in Hahn, Wehen und Bleidenstadt aus. Die Vernissage fand im Museum im Wehener Schloss statt.

Ein Schnäppchenjäger, eine Tänzerin, ein Roter Pharao - sie alle gehören zu den Arbeiten, die die 26 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler präsentieren. Eine Arbeit von jedem ist in der Gemeinschaftsausstellung im Wehener Schloss zu sehen. Mehr Werke von den einzelnen Teilnehmern gibt es in den Schaufenstern der 30 beteiligten Läden zu entdecken. „Wir haben uns dafür entschieden, die Künstler nicht wieder in den gleichen Geschäften auszustellen, damit jeder mal den Vorteil eines besonders schönen Schaufensters oder einer guten Lage bekommen kann“, erläutert Rita Adam vom Initiatorenteam die Herangehensweise.

So findet man dieses Mal Fotografie beim Juwelier, Speckstein beim Optiker oder Ölgemälde in der Apotheke. Vor Ort wird außerdem Informationsmaterial zu dem jeweiligen Künstler bereit gehalten, damit man sich bei Interesse auch mit dem Aussteller in Verbindung setzen kann. Außerdem sind viele der Künstler im Rahmen des Wehener Nightshoppings am 3. September anwesend und stehen für Gespräche zur Verfügung.

Schon bei der ersten Ausgabe von Kunst im Schaufenster vor zwei Jahren waren die Rückmeldungen gut. „Ich hatte damals zahlreiche Anfragen, ob ich Malkurse geben würde, aber so weit bin ich noch nicht“, erinnert sich Malerin Margit Cornelius, die selbst erst seit fünf Jahren an der Staffelei steht. Sie findet die Veranstaltung großartig und empfände es fast als Beleidigung der Initiative von Rita Adam und Beate Thomaß, wenn sie nicht an der Aktion teil nehmen würde.

30 Geschäfte machen mit

Auch Erika Kaiser ist für das Engagement der beiden dankbar: „Man kann das gar nicht hoch genug bewerten. Dadurch entsteht auch eine Vernetzung unter uns Taunussteiner Künstlern“, lobt die Malerin, die sich davon außerdem erhofft, dass auch diejenigen Menschen mit Kunst in Berührung kommen, die sich sonst nicht so sehr dafür interessieren. Zum ersten Mal wird die Aktion in diesem Jahr über den gesamten Zeitraum von einer Gemeinschaftsausstellung im Wehener Schloss begleitet. „Großes Lob an Museumsleiter Harald Lubasch, der eine gelungene Hängung geschaffen hat“, betont Rita Adam deren Qualität.

Beim Betreten des Museums sieht sich der Besucher sogleich dem Schnäppchenjäger gegenüber. Michael Kiems Skulptur aus Metall und Treibholz hat eine rostige Einkaufstasche über dem Arm hängen und blickt aus dicken Schraubenaugen suchend um sich. Sie erblickt dort etwa die in CD-Cover verpackte Foto-Serie Bärbel Mühlschlegels unter dem Titel Zeit-Reise oder die Bildserie Beziehungskiste von Heide Spahn. Die vierteilige Serie zeigt einen gelben Würfel, der einem jungen Pärchen erst als Sitzgelegenheit für traute Zweisamkeit dient, dann beim gegenseitigen Kräftemessen auf die Spitze gestellt wird, bevor er die am Boden zerstörten Protagonisten schließlich voneinander trennt. Der nächste Raum wird strukturiert durch die Achsen zwischen den in den vier Ecken stehenden Skulpturen. Jürgen Behrens raumgreifende Sitzgelegenheit steht dem in sich ruhenden Roten Pharao von Helga Kerstan gegenüber. Rita Wollners als „Stilles Duett“ betitelte Keramikvögel kontrastieren mit der kunterbunten Blümchenkuh Flora von Adriana Hanssen. Dazwischen gibt es eine Menge spannende Malerei zu entdecken.

Struwwelpeter aus Glas

Auch der dritte Raum wird ganz klar von einer Raumachse dominiert. Diese verläuft von dem im Fenster stehenden Glas-Struwwelpeter von Beate Thomaß zu dem gegenüberhängenden Gemälde „Macbeth“ von Margit Cornelius, das zu fast zwei Dritteln aus schwarzer Fläche besteht, um die ausdrucksstarken Gesichter der Schauspieler nur noch mehr zu betonen. „Wir wollen einfach zeigen, dass wir tolle Künstler in Taunusstein haben“, erläutert Beate Thomaß die Motivation, die zu dieser Veranstaltung geführt hat. Einen Monat lang findet die künstlerische Vielfalt der Stadt nun eine Bühne, die wie kaum eine andere im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht.

Die Gemeinschaftsausstellung im Museum im Wehener Schloss ist noch bis Ende September dienstags und donnerstags von 10 bis 13 Uhr, mittwochs von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

Rita Adam und Beate Thomaß

 

Rita Adam und Beate Thomaß haben wieder „Kunst im Schaufenster“ in Taunusstein initiiert. Foto: RMB/Kühner